Ich mag unsere Esszimmerlampe nicht mehr. Sie ist zwar eigentlich ein Klassiker, aber eben kein genialer Augenschmaus-Klassiker, sondern ein einfacher, schlichter Klassiker, an dem man sich zwar nicht wirklich sattsehen, der einen aber langweilen kann.
Ein bisschen - wahrscheinlich ungefähr viereinhalb Stunden - im Internet gesucht und schwupps, schon eine schöne Lampe gefunden. Natürlich ist die Lampe, die ich finde, viel zu teuer, ich will mir keine 700 Euro an die Decke hängen. Also suche ich weiter - nochmal zwei Stunden. Da finde ich eine Anleitung im Internet und, Bastler der ich nun mal bin, denke ich "ja, so kann ich das doch selber machen und 630 Euro sparen". Genau genommen denke ich sogar "challenge accepted!". Die Anleitung klingt ganz leicht, die Fotos sind klar, dann kann's ja losgehen.
Und das ist dann eigentlich auch schon der Anfang vom Ende.
Erst denke ich das gründlich durch, dann komme ich zu dem Schluss, dass ich es vielleicht doch nicht selber machen kann. Dann schwenke ich um und überlege, wie ich mir eine vollkommen andere Lampe selber basteln könnte. Klassisches Übersprungsverhalten. Dann ist die andere Lampe auch nicht so leicht selber zu machen und so komme ich zu dem Schluss, dass ich doch die andere, die erste Lampe haben will. Ach was, "haben will" - BRAUCHE!
Es folgt ein enttäuschender, niederschmetternder, erbarmungslos ernüchternder Besuch im Baumarkt. Baumärkte sind nämlich gar keine Baumärkte mehr, sondern Mülleimer- und Deko-Fachmärkte. Tempel der Spießigkeit, vollgestopft mit hässlichem Krempel, den man sich in den Garten stellen kann. Oder ins Bad. Wenn aber weder Plastik-Papierkörbe noch Seifenschalen braucht, ist man hier ziemlich Fehl am Platz. Sagt mir auch der "Ideengeber". Nicht ganz mit diesen Worten, aber im Grunde genommen schon. Da müssen se zum Elektrofachmarkt, dit hat schon einen Grund, warum se dit hier nich kriegen, sagt er. Ich glaube der nächste Elektrofachmarkt ist in Charlottenburg.
Manchmal würde ich mir gern einfach was basteln, ohne dass mir der Wind aus den Segeln genommen wird. Papa sagt, ich sei verwöhnt. Schade!
annablume - 24. Sep, 11:33
Zweifelt an seinem Können, seiner Leidenschaft, seinem Traum und seiner Zukunft.
Schwankt hin und her zwischen trotziger Rechtfertigung seines Tuns und bodenlosem Zweifel. Falscher Traum? Doch kein Talent? Falsches Pferd? Oder einfach nur mal an den falschen geraten? An einen, der sich von einem selbst so stark unterscheidet, dass es unvereinbar wird? Ist es wirklich Ansichtssache oder doch kein subjektives Business.
Am Ende talentfrei? Kein Platz in dieser Gesellschaft für jemanden, der irgendwas ganz gut kann. Der vielleicht sogar ganz viel ganz gut kann, aber in nichts heraussticht.
Fehlt nur die Selbstverliebtheit, die der andere an den Tag legt? Ist seine Selbstverliebtheit durch seine Brillanz begründet oder schlicht durch, möglicherweise teils unbegründete, Selbstverliebtheit per se?
Und dann wär man gern selbstsicherer und würde sich durch sowas nicht so aus der Bahn werfen lassen. Und dann liegt man doch in den Strohballen und Reifenbergen, unsicher, ob man zurück auf die Bahn soll, oder lieber HotDogs verkaufen, Reifen austauschen oder Eintrittskarten abreißen gehen sollte.
annablume - 7. Apr, 14:40
Die Weihnachtszeit bricht an. Es lässt sich nicht leugnen, aber offenbar kann man sich ganz wunderbar darüber aufregen. Ja, die Lebkuchen werden schrecklich früh ausgepackt und nein, ich brauche im Oktober auch keine Schokoladenweihnachtsmänner, aber seit wann ist Weihnachten denn etwas so Schreckliches? Ich bin dankbar und glücklich, dass meine Vierjährige sich ungemein auf Weihnachten freut, denn außer mir und ihr, scheint das kaum noch jemandem mehr so zu gehen. Überall wird auf blinkende Lichter, Gebäck und Stress geschimpft. Wir haben es verlernt, uns über die Freude anderer zu freuen.
Darum appelliere ich jetzt mal an all diese Weihnachtsrummel: Lasst es doch einfach bleiben. Wenn euch dieser letzte Monat des Jahres keine Freude bereitet, dann tut einfach so, als sei es November oder Januar. Gönnt den Kindern und den Kindgebliebenen ihre blinkenden Lichter, ihre leuchtenden Augen, ihre Freude am Schenken und ihren Glauben an den Weihnachtsmann.
Und viel Spaß mit der Unterwäsche!

annablume - 29. Nov, 10:37
Erst wollten alle irgendwas mit Medien machen. Dann machten alle wohl irgendwas mit Rucola. Und jetzt machen sie wohl alle wieder was mit Medien. Nur was mit Kindern passt da nicht rein. In den Rucola schon, aber nicht in die Medien. Start-ups wie Pilze, Geld ist knapp, Zeit ist ein Muss, Kinder gehen da nicht. Kinder vertragen sich weder mit nicht essbaren Pilzen, noch mit wenig Geld und erst recht nicht mit reichlich Zeit für etwas anderes als sie selbst. Stimmt also doch, das mit dem Karrierekiller "Kind". Solange man nichts mit Rucola machen will. In einer Gesellschaft, die gerne Kinder hätte, funktioniert die 60-Stunden Woche schlicht und ergreifend nicht. Weder mit Pilzen noch mit Rucola lässt sich das schmackhaft machen. Es wird Zeit für die 35-Stunden-Woche. Höchste! Wenn Papas und Mamas und alle anderen auch 35 Stunden pro Woche arbeiten, dann haben mehr Leute Jobs, mehr Leute Zeit für ihre Kinder und mehr Leute Zeit, mehr Kinder zu machen. Ich finde, das klingt nach ein vernünftigen Lösung.
annablume - 13. Aug, 12:55
Momentan fühlt sich mein Texter-Dasein ungefähr so an:
Da kommt ein Kunde in meine Konditorei und bestellt einen Kuchen. Nein, eine Torte, etwas noch nie da Gewesenes. Mit Schokolade und Buttercreme und bunt und Streuseln und Kirschen und dreistöckig, oder lieber siebenstöckig und Marzipan und Wunderkerzen und am besten ner Nackten, die herausspringt.
Nach vielen Stunden in meiner Backstube bestelle ich den Kunden zu mir und präsentiere ihm eine Torte. Achtstöckig, mit Kirschen, Schokolade, Marzipan, Buttercreme, bunt, Wunderkerzen und Feuerwerk und springe höchstpersönlich heraus.
Daraufhin hält mein Kunde einen Marmorkuchen hoch und sagt: ich hatte eigentlich eher an sowas gedacht.
annablume - 9. Nov, 13:22
Warum grüßt, bzw. verabschiedet man sich, wenn man das Wartezimmer einer Arztpraxis verlässt? Weil man das selbe Schicksal teilt? Aber ich rufe doch auch nicht laut "Tschüss!", wenn ich aus dem Supermarkt, dem Café oder der Videothek (DVD-thek?) gehe. Wieso scheint es offenbar Gang und Gäbe zu sein, sich von wildfremden Menschen, mit denen man kein Wort gewechselt hat und die man, wenn's gut läuft, zumindest in diesem Rahmen nie wieder sieht, höflich zu verabschieden während einem gleichzeitig im selben Wartezimmer keiner mehr ein freundliches "Gesundheit" auf seinen Nieser erwidert.
Ich werde meiner Tochter jedenfalls beibringen, dass man Leuten, die niesen "Gesundheit" wünscht, meinetwegen auch Leuten, die husten (ist ja schon irgendwie unfair). "Auf Wiedersehen" wird sie aber niemals irgendwelchen Fremden vor den Latz knallen müssen, schon garnicht in Arztpraxen!
annablume - 6. Jun, 11:36
... liegt auf dem Rücken, dem Bauch, den Schultern oder der Hüfte von Eltern. In der letzten Ausgabe des Familienmagazins
Nido war ein ausführlicher Artikel darüber, ob Kinder wirklich glücklich machen. Auf den ersten Blick sagte der Artikel zwar: nein! Wie können Kinder glücklich machen, wenn Eltern chronisch übermüdet, gestresst und genervt sind? Auf den zweiten Blick aber kam der Autor zu dem Schluss, dass Kinder sozusagen langfristiger, tiefer glücklich machen. Eltern zehren in den Stressmomenten, von denen es unbestritten eine Menge gibt, von den Glücksmomenten, die ihnen ebenfalls ihre Kinder beschert haben.
Wenn ich abends um 21:00 im Bett liege, aufgegeben und die Einschlaf-Nummer meinem heldenhaften gatten überlassen habe bin ich erschöpft, müde und genervt. Wenn ich dann aber über das Babyfon die Unterhaltung mithöre und Anouk von Jakobs Freund "sexy" erzählt, der in Wirklichkeit Jaque heißt, von Jakob Jackson und von Anouk eben "sexy" genannt wird, muss ich schmunzeln, lachen und bin unendlich glücklich, diesen kleinen,nervtötenden, zuckersüßen Kobold in meinem Leben zu haben. Wenn Sie sich eine Kugel "Hausmeister-Eis" bestellt sehe ich mit dem größten Vergnügen darüber hinweg, dass Hausmeister-Eis nach giftgrünem Plastik schmeckt und mir das gute Vanille-, Himbeer- oder Rhabarber-Eis viel lieber wäre. Wenn ich auf die Aussage "ich hab Dich lieb, mein Schatz" ein "ja!" als Antwort bekomme, dann hab ich sie gleich noch mehr lieb. Wenn ich nach einem in Kobold-wütend geschrienem "ich will das gaaarnicht" mit dem Kopf auf dem Tisch zusammensacke und dann eine kleine Hand auf mein Bein kriecht und ein auf Kobold-süß gesäuseltes "ach Mama" folgt, dann ist das dieses tiefe, langfristige Glück, das ehrliche Glück zwischen endlosen himmelhochjauchzenden Höhen und zu Tode betrübten Tiefen.
annablume - 3. Mai, 11:51
video killed the radio star und facebook killed the blogs.
Dank kurzer, in die blaue Welt von facebook "gebrüllter" Statements verliert man die Themen, über die man früher ausführlich geschrieben hat. Man postet sich den Gedanken aus dem Hirn und weg ist er, ohne dass er zu einer Geschichte, einer Überlegung heranreifen konnte. Gleichzeitig blogge ich aber auch weniger, weil mein Leben von einem kleinen charmanten Kobold bestimmt wird. Die damit verbundenen Banalitäten, wie mein immenser Stolz, wenn besagter Kobold Lachs, Pangasius und Broccoli isst, erscheinen mir unpassend, um darüber zu bloggen. Ich habe diesen Blog gestartet, um über mein Leben und vor allem über die atemberaubende Stadt zu schreiben, in der ich lebe. Zurzeit dominieren Themen wie
Gentrifizierung die Blogs über diese Stadt. Ich, als Teil dieser Gentrifizierung, als Mitzerstörer von urigen Kiezen,
als Zugezogener, als jemand, der sich über seine schöne, ordentlich gemachte Wohnung, seinen Garten hinterm Haus, die Familienkutsche vor der Tür, das quietschende Kind, die dicke Plauze und den tollen Mann freut, kann nur aus der Perspektive über Gentrifizierung schreiben, aus der sie scheinbar keiner hören will. Ich bin also nicht nur Deutschland, Papst und mehrfacher Weltmeister der Herzen, ich bin auch Gentrifzierung. Kein Wunder, dass hier nur Schizophrene rumlaufen, bei den vielen Labels, mit denen versehen man so durch diese schnelle Stadt strahlt.
In diesem Sinne: Ahoi! Und nieder mit dem Gedanken-aus-dem-Hirn-geposte!
annablume - 30. Mär, 10:04